Hilfsbund Karpatendeutscher Katholiken




Hl. Elisabeth von Thüringen
Schutzpatronin der Karpatendeutschen




  1. Aus der Not geboren
    1. Aus unserer Geschichte
    2. Verantwortungsbewusste Persönlichkeiten
  2. Beistand in der Not, Wahrung des Erbes, Hilfen zur Eingliederung
    1. Leitung und Gliederung
    2. Religiöses Gemeinschaftsleben
    3. Seminare und Tagungen
    4. Der KARPATENBOTE
  3. Die Arbeit an der Basis - unsere Ortsgemeinschaften
    1. "Lebendige Zellen" entstehen
    2. Arbeit für die alte Heimat
    3. Dokumente unserer Geschichte und Kultur - unsere Heimatbücher
  4. Der Auftrag des Hilfsbundes in der Zukunft
    1. Pflege der kulturellen Werte und Sicherung unserer Geschichte
    2. Wir bauen Brücken - unsere Familienwochen in der Slowakei



1. Aus der Not geboren

1.1. Aus unserer Geschichte

Besonders die Jahre 1944 bis 1946 sind durch Partisanenaufstand und Vertreibung für unsere Landsleute, die Karpatendeutschen aus der Slowakei, Zeiten schwerster Prüfungen. Die Heimat- und Besitzlosen kommen in das fremde, kriegszerstörte Deutschland. Kaum eine Familie hat infolge von Kriegs- und Arbeitseinsatz das Vertreibungsgebiet geschlossen verlassen. Zunächst versucht man untereinander Verbindung zu finden. Besonders bei den Heimatpriestern findet man helfende Hände. Aber es zeigt sich, dass in der Zerstreuung der kleinen Volksgruppe nur durch eine Vereinigung eine umfassende Betreuung möglich werden kann. Augrund der politischen Verhältnisse der Zeit ist nur die Zulassung einer Organisation auf kirchlicher Basis zu erwarten. Hat die katholische Kirche über Jahrhunderte bei Eingliederung und Seelsorge geholfen, so wird sie auch jetzt zur bedeutendsten Stütze.

1.2. Verantwortungsbewusste Persönlichkeiten

Pfarrer Jakob Bauer aus Schmiedshau hat bereits über Jahrzehnte das deutsche kirchliche Leben im Karpatenraum beeinflusst. Er wird in diesen Tagen der großen Bedrängnis wieder tätig. Mit Wallfahrten, kleinen Treffen und Rundbriefen hat er bereits Kontakte aufgebaut. Auf seine Einladung hin kommen am 15. Oktober 1948 karpatendeutsche Priester und Laien im Kolpinghaus in München zur Gründungsversammlung zusammen. Der Hilfsbund Karpatendeutscher Katholiken wird gegründet, Parrer Bauer zum Vorsitzenden und Prof. Paul Scholz zu seinem Stellvertreter gewählt. Die anwesenden Vertreter der kirchlichen Stellen sagen trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse finanzielle Hilfe und die notwendigen Räumlichkeiten für eine Geschäftsstelle zu. Die Heilige Elisabeth, die bairisch-ungarische Prinzessin und Landgräfin von Thüringen ist die Schutzpatronin und Fürsprecherin der Gemeinschaft.

2. Beistand in der Not, Wahrung des Erbes, Hilfen zur Eingliederung

Die Vorstandschaft des neugegründeten Hilfsbundes arbeitet Leitsätze und ein Arbeitsprogramm aus. Am Anfang steht die karteimäßige Erfassung der deutschlandweit versteuten Angehörigen der Volksgruppe. So wird die Grundlage zur religiösen, sozial-caritativen und kulturellen Betreuung geschaffen. Weltweite Verbindungen sowohl kirchlicher als auch politischer Art werden genutzt. Auch vielfältige wirtschaftliche Beratung und Unterstützung ist von Anfang an notwendig. Um die Rechte der Vertriebenen in der neuen Heimat zu wahren, muss auf die Gesetzgebung, die Verwaltung und sonstige politische Entscheidungen Einfluss genommen werden. Wir treten für Recht und Wahrheit unseres heimatlos gewordenen Volkes, für Aussöhnung mit den Völkerschaften unserer alten Heimat und für die Sicherung des Selbstbestimmungsrechtes der Volksgruppen und aller Völker ein.

2.1. Leitung und Gliederung

Der neue Vorstand wurde am 5. März 2016 von der Mitgliederversammlung gewählt und setzt sich wie folgt zusammen:

Vorsitzender:
GR Pfr. Johann Kotschner, Mühlheim/Main
Stellvertreter:
Maria Palesch, Schwäbisch Gmünd
Franz Spitzkopf, Schwieberdingen
Geistlicher Beirat:
Pfr. Dr. Dr. Peter Irrgang, München
Kassier:
Armin Pogadl
Schriftführerin:
Sibylle Gregory
Ulla Nosko
Beisitzer:
Dr. Herbert Elischer
Edith Weiss
Reinhold Wohland
Eduard Oswald
Wera Stiffel
Kassenprüfer:
Christine Folter
Aribert Weiss
Visitator:

für die Karpatendeutschen und die Sudetendeutschen:
Msgr. Dieter Olbrich





Geschäftsstelle:
Hilfsbund Karpatendeutscher Katholiken e. V.
Stafflenbergstraße 46
D-70184 Stuttgart
Telefon: (07 11) 16 45 - 5 85
Telefax: (07 11) 16 45 - 5 81
E-Mail: Sibylle.Gregory@drs.de


2.2. Religiöses Gemeinschaftsleben

Unsere Wallfahrten

Wallfahrten gehören, wie in der alten Heimat, zum Brauchtum des Kirchenjahres und erweisen sich auch im Aufnahmegebiet als wichtigste Einrichtung in der religiösen Fürsorge. Für die Vertriebenen in der damaligen DDR sind sie wegen der verbotenen Vertriebenentreffen eine Möglichkeit zur Begegnung mit Landsleuten. Die Wallfahrt am Schönenberg über Ellwangen entsteht, an deren Gestaltung der Hilfsbund bis heute mitwirkt. Die Bittgänge nach Altötting, Stuttgart-Hofen, Deggingen, Westerstetten und Maria Einsiedel bei Gernsheim, immer liebevoll betreut von unseren Heimatgeistlichen, gehören auch gegenwärtig zum Jahresprogramm des Hilfsbundes. Die Gedächtniswallfahrt 1994 zum Gedenken an die 60. Wiederkehr des 1. Karpatendeutschen Katholikentages 1934 in Deutsch Proben (Nitrianske Pravno) und die vielen unschuldigen karpatendeutschen Opfer in der leidvollen Zeit des Partisanenaufstandes 1944 veranstaltet der Hilfsbund im September 1994 eine Gedächtniswallfahrt ins Hauerland, dem ehemals deutschen Siedlungsgebiet in der Mittelslowakei. Die Pilgerfahrt dient auch der Versöhnung. In einem Festgottesdiens mit Bischof Balaz in der Kathedrale zu Neusohl (Banská Bystrica) wird der Opfer beider Seiten gedacht. Der Oberhirte begrüßt das Kommen der Karpatendeutschen in die Slowakei und sieht darin einen Akt der Versöhnung. In Feiern segnen Heimatpriester in Glaserhau (Sklené) eine Gedenkstätte für die 187 ermordeten ortsansässigen Karpatendeutschen und in Schemnitz (Banská Stiavnica) weiht Bischof Sokol, Thyrnau (Trnava), ein Denkmal für die 80 Karpatendeutschen aus Hochwies (Velké Pole) und Paulisch (Píla), den Mordopfern vom September 1944. In Glaserhau und Deutsch Proben finden kulturelle Veranstaltungen gemeinsam mit der slowakischen Bevölkerung statt. Alle Aktivitäten werden in den slowakischen Medien bemerkenswert hervorgehoben.

2.3. Seminare und Tagungen

Die kulturelle Arbeit, die auch religiöse Aspekte enthält, gestaltet der Hilsbund in Seminaren in Bernried, in Stuttgart-Hofen und Stuttgart-Hohenheim. Von Beginn an geht es dabei um die Rettung der eigenen Geschichte und des überkommenen religiösen und kulturellen Erbes. In Vorträgen und Diskussionen gewinnen die Teilnehmer weiteren Einblick in die Kultur und die Geschichte der Karpatendeutschen und der Slowakei. Die politische und wirtschaftliche Situation der Zeit wird erörtert. Seit der Wende werden regelmäßig slowakische und karpatendeutsche Wissenschaftler aus der Slowakei zu Vorträgen zu den Seminaren eingeladen.Nicht vergessen werden darf die Hauerländer Volkstanz- und Trachtengruppe des Hilfsbundes unter Leitung von Maria Palesch, Herlikofen, die kulturelles Erbe pflegt und mit Erfolg bei Veranstaltungen hier und bei Treffen in der Slowakei auftritt.

2.4. Der KARPATENBOTE

Mit der Anrufung „In Gottes Namen!“ übergibt der Vorsitzende des Hilfsbundes, Pfr. Jakob Bauer, im März 1949 die erste Nummer des Mitteilungsblattes „KARPATENBOTE“ an die Landsleute. Diese Wegweisung hat der „Karpatenbote“ als Organ des Hilfsbundes bis heute behalten. Er erscheint als Beilage der seit 1950 von der Arbeitsgemeinschaft der Karpatendeutschen herausgegebenen „Karpatenpost“. Zunächst hat Msgr. Jakob Bauer die Schriftleitung inne, 1982 übernimmt sie der spätere Ehrenvorsitzende Msgr. Ernst Tatarko. Seit September 1997 ist Pfr. Dr. Dr. Peter Irrgang Schriftleiter.


3. Die Arbeit an der Basis - unsere Ortsgemeinschaften

3.1. „Lebendige Zellen“ entstehen

Erst mehrere Jahre nach der Vertreibung kommt es zu kleineren Zusammenkünften von Bewohnern einzelner Dörfer in From von Klassen- und Nachbarschaftstreffen. So zeigt es sich, dass die Dorfgemeinschaften trotz der furchtbaren Zeit noch leben und ihre Menschen sich das Zusammengehörigkeitsgefühl bewahrt haben. Bald entwickeln sich neben den Bundestreffen geschlossene Zusammenkünfte einzelner Gemeinden, organisiert von engagierten Landsleuten. So entstehen die Ortsgemeinschaften. Sie werden lebendige Zellen unserer kleinen Volksgruppe.Geistlicher Rat Pfarrer Steinhübel, Vorsitzender des Hilfsbundes in Stuttagrt, und sein Mitarbeiter Eduard Oswald, Kuneschhau, erkennen die Möglichkeiten, die sich aus dem Engagement in den Ortsgemeinschaften für weitere vielfältige und wertvolle kulturelle Arbeit ergeben können. Unabhängig von der konfessionellen Zugehörigkeit nehmen sie die Betreuung und Förderung der jungen Verbände auf und so in die Obhut des Hilfsbundes. Was im Laufe der Jahrzehnte an manigfachen Leistungen mit unschätzbaren Ergebnissen von den Ortsgemeinschaften vollbracht wird, kann hier nur kurz dargestellt werden.

3.2. Arbeit für die alte Heimat

Schon lange Zeit vor der Wende besteht wieder enger Kontakt zu Verwandten und Freunden in der alten Heimat. Aus allen Teilen Deutschlands werden Reisen in die Heimatdörfer unternommen und dort Hilfe geleistet. Vieles geschieht auf Anregung des Hilfsbundes. Heimatkirchen werden mit Spenden ehemaliger Ortsbewohner renoviert, Geistliche und kirchliche Einrichtungen unterstützt. In Tagungen werden von Fachleuten Anleitungen für Erhebungen, die Erfassung von Daten und die Erstellung von Ortschroniken gegeben. In langjähriger mühevoller Forschungsarbeit engagierter Landsleute können so mit Unterstützung durch den Hilfsbund viele äußerst wertvolle Dokumentationen über die verlorenen Heimatorte herausgebracht werden. Sie sind in den Familien beliebte Hausbücher geworden.

3.3. Dokumente unserer Geschichte und Kultur - unsere Heimatbücher

* Helene Schwandner, Gutes und Erprobtes - Pressburger
Schmankerln - vergriffen
* J. Fröhlich, Kuneschhau - vergriffen
* F. Schmidt, Karpatendeutsche Wallfahrten - vergriffen
* Msgr. E. Tatarko, Die Bistümer in der Slowakei
* Richter/Schwertsik, Deutsch-Proben
* J. Palesch, Gaidel - vergriffen
* J. Palesch, Buch Gaidel, Ergänzungen - vergriffen
* Großmann/Daubner, Glaserhau - vergriffen
* R. Schwarz, Drexlerhauer Heimatbuch - vergriffen
* R. Kurbel, Schmiedshau - vergriffen
* Kurbel/Schwarz, Bildband Schmiedshau - vergriffen
* H. Beck-Ertl, Oberstuben - vergriffen
* L. Wohland, Vom Strudel erfasst
* Gretsch/Doppler, Unsere Heimat Johannesberg
* Kauer/Schürger u. a., Metzenseifen-Stoß
* Roob/Roob/Fronz, Unser Dorf Deutsch-Litta
* S. Prokein, Honneshau
* R. Steinacker u. a., Krickerhau - vergriffen
* L. Wohland u. a., Schicksal Hauerland - vergriffen
* Th. Deters, 40 Jahre Hilfsbund Karpatendeutscher Katholiken - vergriffen
* Msgr. E. Tatarko, Karpatendeutsches Pilgerbüchlein - vergriffen
* Kurbel/Melzer/Rückschloß, Kremnitz-Kremnica
* M. Schlenker, Von Heimat zu Heimat - vergriffen
* Prof. Musik/Hofer, Bildband Pressburg
* Prof. Dr. A. Pittner, Ober- und Unterturz - vergriffen
* Maday/Kastmacher, Hochwies - Paulisch
* W. Grosch, Blaufuß - vergriffen
* L. Wohland, Daheim in aller Welt - vergriffen
* Prof. R. Musik, Zwischen Nibelungenstrom und Tatragipfeln - vergriffen
* R. Melzer, Erlebte Geschichte, Teil 1 + 2 - vergriffen
* J. Schürger, Deutsche in der Ostslowakei
* L. Wohland, Hauerländer erzählen - vergriffen
* Deters/Stang, 50 Jahre Hilfsbund Karpatendeutscher Katholiken
* Dr. Dr. Peter Irrgang, Zum Städtele hinaus
* Klein/Liptak/Schürger, Zipser erzählen I  - vergriffen
* Leonie Rust-Garam, Um den Preis ihres Lebens
* Theodor Deters, Preßburg - Lebendige Stadt am Donaustrom

4. Der Auftrag des Hilfsbundes in der Zukunft

4.1. Pflege der kulturellen Werte und Sicherung unserer Geschichte

bleibt unser Auftrag. Die Hoffnung auf eine Heimkehr in das Geburtsland ist mit den Ältesten der Vertriebenen zu Grabe getragen worden. Ihnen sind bereits die Gründerpersönlichkeiten des Hilfsbundes gefolgt. Die gegenwärtig Aktiven haben die alte Heimat zwar noch erlebt, sind aber bereits im Aufnahmeland aufgewachsen und hier integriert und beheimatet. Die Nachgeborenen nehmen zwar Anteil an den Bestrebungen der Gemeinschaft, müssen aber immer mehr bereit werden, Aufgaben für sie zu übernehmen.

4.2. Wir bauen Brücken - unsere Familienwochen in der Slowakei

Durch die Wende hat sich angesichts der geänderten Verhältnisse für den Hilfsbund ein weites Betätigungsfeld geöffnet. Der Zugang zu den verbliebenen deutschen Landsleuten und den ehemaligen slowakischen Nachbarn ist nicht mehr durch ideologische Grenzen gehemmt. Deshalb wird auch in Zukunft der Kontakt durch Besuchsreisen in die Slowakei aufrechterhalten und so auch für dieses kleine Land geworben. Jede Begegnung mit dem slowakischen Volk dient der Verständigung und ist ein Schritt zur Versöhnung und zum Frieden in einem vereinten Europa. Dabei darf der Einsatz für die Gleichberechtigung der deutschen Minderheit nicht vernachlässigt werden. Seit einigen Jahren fördert der Hilfsbund in Zusammenarbeit mit dem Maximilian-Hell-Verein, unserem Patenverein in der Slowakei, durch die Veranstaltung von Familienwochen die Begegnung deutscher Jugendlicher aus der Bundesrepublik und der Slowakei. Zusammenkünfte fanden bisher in Altschmecks unter der Tatra, in Huty im Rohacgebirge und in Glaserhau im Hauerland statt. Der Versuch 2000, die Verlegung der Veranstaltung nach Maria Einsiedel bei Gernsheim mit über 50 Teilnehmern aus der Slowakei ist ein voller Erfolg geworden. Die Familien- und Studienwochen sollen sowohl der religiösen Erziehung als auch bei den Heranwachsenden aus der Slowakei der Hinführung zur Sprache der Vorfahren dienen. Diese Familienwochen müssen eine beständige Einrichtung werden. Der Hilfsbund und seine Mitglieder müssen auch in Zukunft Brückenbauer bleiben.