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Die Evangelische Kirche A.B. in der Slowakei

Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Slowakei hat heute etwa 330.000 Mitglieder in 329 Gemeinden mit etwa 300 Geistlichen (davon 28 % Frauen) und 575 Kirchen bzw. Gebetshäusern. An der Spitze steht ein Generalbischof und Generalinspektor mit Generalsynode in Preßburg (Bratislava). Zwei Distrikte werden von Bischöfen in Altsohl (Zvolen) und Eperies (Presov) geleitet. Auf diese Distrikte verteilen sich 14 Seniorate. Leitungsgremium in Gemeinde, Seniorat und Distrikt ist der Konvent, Exekutivorgan das Presbyterium. Die Wahlen erfolgen direkt durch die Gemeindeglieder in den entsprechenden Konventen.

Geschichte der Kirche

Die Evangelische Kirche A. B. in der Slowakei ist eine lutherische Kirche der ersten Stunde. Schon wenige Jahre nach Luthers erstem Auftreten kamen Prediger des Evangeliums nach Oberungarn, zu dem damals das Gebiet der heutigen Slowakei gehörte. Nach kurzer Zeit bekannten sich etwa 90 % aller Bewohner zum lutherischen Glauben. Viele Studenten aus Oberungarn gingen nach Wittenberg, um bei Luther und Melanchthon zu studieren. Durch den Melanchthon-Schüler Leonhard Stöckel aus Bartfeld (Bardejov) wurde das von Melanchthon reformierte evangelische Schulwesen eingeführt. Durch Jahrhunderte hindurch waren evangelische Schulen in Bartfeld, Preßburg, Kesmark, Leutschau und anderen Städten Vorbilder für das gesamte Schulwesen des Landes.

Durch die Gegenreformation, die sogar Blutzeugen forderte, wurde die evangelische Kirche zu einer Minderheitskirche. Zwischen 1670 und 1680 schien jegliches evangelische Gemeindeleben ausgerottet zu sein. Doch durch die Ödenburger Artikel von 1681 wurde den Evangelischen ein sehr eingeschränktes, durch das Toleranzpatent Kaiser Josef II. von 1781 ein geduldetes Eigenleben ermöglicht. Erst 1848 erfolgte die rechtliche Gleichstellung der Kirchen.

Da den Evangelischen in der Verfolgungszeit die alten Kirchen weggenommen worden waren (eine Ausnahme etwa die gotische Kirche in Dobschau (Dobsina), besitzt die Evangelische Kirche keine Baudenkmäler aus mittelalterlicher Zeit. Die nach 1681 gebauten Artikularkirchen wurden im spätbarocken Stil erbaut (ein besonders schönes Beispiel ist die Holzkirche in Kesmark); die nach 1781 gebauten Toleranzkirchen weisen klassizistischen Stil auf (etwa die Kirche in Leutschau oder die große evangelische Kirche in Preßburg).

Von Anfang an gab es slowakische, ungarische und deutsche Gemeinden in Oberungarn. Durch starke Madjarisierungstendenzen verringerte sich der Anteil der deutschsprachigen Gemeinden ständig. Nach Gründung der Tschechoslowakischen Republik 1918 verbesserte sich die Lage der evangelischen Kirche insgesamt. Die deutschen Gemeinden aber fühlten sich von der slowakischen Mehrheit majorisiert und strebten nach Autonomie, die ihnen schließlich auf Senioratsebene gewährt wurde. 1938 wurde durch Beschluss aller beteiligten Organe die "Deutsche Evangelische Kirche A. B. in der Slowakei" begründet, der etwa 40.000 Mitglieder angehörten. Sie bestand bis zur Vertreibung der Deutschen 1945.

Nach 1945, besonders aber nach der Machtübernahme der Kommunisten 1948, wurde das kirchliche Leben völlig auf die gottesdienstlichen Handlungen eingeschränkt, kirchliches Eigentum außer Kirchen und Pfarrhäuser eingezogen und kirchliche Einrichtungen liquidiert. Erst seit der Wende 1989 kann die Kirche über ihre Belange frei entscheiden. Durch die Restitution werden kirchliche Gebäude und Grundstücke zurückgegeben bzw. anderweitig ersetzt.

Die Evangelisch-theologische Fakultät

Von großer Bedeutung für die Kirche ist die Evangelisch-theologische Fakultät in Preßburg (Bratislava), die über viele Zwischenstufen aus den 1606 in Preßburg begründeten evangelischen Schulen hervorgegangen ist. Seit 1990 ist sie in den Verband der Komenius-Universität Preßburg aufgenommen.

Bis vor kurzem musste der Lehrbetrieb in verschiedenen kleinen kirchlichen Gebäuden der Innenstadt durchgeführt werden. Nach der Wende wurde die Planung und Durchführung eines Neubaues möglich. Auf einem Gelände hinter dem Preßburger Schloß, unterhalb des "Roten Kreuzes", konnte in den letzten Jahren mit internationaler Hilfe ein Komplex erstellt werden, der Studienräume, Aula, Fakultätsräume, Bibliothek, Mensa und ein Internat mit 110 Betten umfasst.

Die Preßburger Fakultät hat ca. 200 Studenten, davon auch eine Anzahl Ausländer, hauptsächlich aus dem ganzen südosteuropäischen Raum. Ihr Schwerpunkt liegt – auf Grund der Geschichte der Kirche – bei der Geschichte der Reformation und Gegenreformation. Bis zur Vertreibung der Karpatendeutschen wurden an dieser Fakultät auch die deutschen Pfarramtskandidaten ausgebildet, die aber meist auch zwei Semester an Universitäten in Deutschland studierten.


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